Hinter den Kulissen bei Conrad Modelle

Wie entsteht ein SENNEBOGEN Modell?

Ein Besuch bei Conrad Modelle

Modellbau bedeutet viel Handarbeit

Sie dürfen in keiner Sammlervitrine fehlen und machen sich auch gut auf dem Schreibtisch in Mi­niaturausführung. Die Rede ist von unseren SEN­NEBOGEN Modellen im Maßstab 1:50. Doch was an Entwicklungsaufwand hinter jedem Modell steckt und wie die Modelle in Deutschland produziert werden, haben wir uns bei einem Besuch bei der Fa. Conrad einmal genauer angesehen.

Gemeinsam empfangen uns Geschäftsführerin Chris­tine Conrad und ihr Mann Paul Bitschin, um uns in die Modell-Welt zu entführen. Schon der Blick in den Ausstellungsraum mit unzähligen Modellen aus allen Epochen ist beeindruckend. Dort lernen wir, dass der Ursprung der Firma in der Entwicklung von Spielzeug lag, und auch der Fahrregler der ersten Carrera Bahnen von Firmengründer Ludwig Conrad stammt.

Richtig spannend wird es aber, als uns die Vertreter der dritten Generation durch die Produktion des Fa­milienunternehmens führen. Vom kleinsten Plastik­bauteil bis hin zu großen Zinkdruckguss-Elementen wird in Kalchreuth vieles in aufwändiger Handarbeit entwickelt, produziert und montiert. Bis zu 1.500 Ein­zelteile kann ein Modell haben. Für jedes der Bauteile müssen die Spritz- und Gusswerkzeuge entwickelt und hunderte Montageaufnahmen gebaut werden, um die Bauteile später millimetergenau zusammen­zusetzen. Paul Bitschin behält dabei den Überblick und erklärt uns, wie in der Lackierstraße ein optima­ler Lackglanz entsteht. Dabei setzt man übrigens seit vielen Jahren auf umweltschonende Wasserlacke.

Vieles erfolgt hier noch per Hand, Bauteile werden ent­gratet, gesäubert und lackiert, bevor es zum nächs­ten Schritt geht. Per Tampondruck können selbst die kleinsten Logos und Beschriftungen originalgetreu und langlebig aufgebracht werden. „Das sind die klei­nen Dinge die unsere Modelle besonders machen“, er­klärt Christine Conrad. Bei der Seitenverkleidung der 735 Umschlagmaschine kommen da schnell mehr als 10 Arbeitsschritte allein für die Bedruckung zusammen. Deckelgriffe, Kühlgitter und die Maschinenbeschrif­tung müssen mehrfarbig aufgedruckt werden. „Ge­rade das rund 2 mm kleine Green Efficiency Logo ist dabei immer eine echte Herausforderung“, weiß Paul Bitschin.

Schließlich ist bei vier Farben die kleinste Ungenauigkeit schon kritisch. Sind alle Bauteile ein­mal lackiert und bedruckt, geht es an die Montage. In präziser Handarbeit setzen die Mitarbeiterinnen die vielen Einzelteile ineinander. Das braucht Fingerspitz­engefühl, wir machen den Selbstversuch und scheitern kläglich. Das überlassen wir dann doch den Profis.

Mittlerweile konnten aber schon zwei aufwändige Montageprozesse automatisiert werden, erklärt uns Paul Bitschin und zeigt die Anlagen für die Reifen­vormontage und die Verbolzung der Kettenglieder. Dort laufen winzig kleine Kettenglieder eine Spindel hinauf, werden per Druckluft ausgerichtet und ein Drahtstift verbindet diese schließlich zur Kette. Da­neben schiebt ein Bolzen die Miniaturbereifung auf die Felge und diese wird auch gleich noch lackiert. Das alles funktioniert schon automatisch, für alles andere braucht es dann wieder die flinken Hände. Am Ende geht jedes Modell auch nochmals durch die Hände der Qualitätskontrolle. Drehen sich alle Räder, sind die Scheiben der Kabine fest, sind Lack und Beschriftung korrekt? Wenn alles passt, kommen die Modelle in die Verpackung und gehen auf den Weg zu den Kunden und Sammlern weltweit.

Für SENNEBOGEN produziert Conrad übrigens aktuell sechs Modelle: vom kleinen Teleskopla­der 355 E bis zum großen Raupenkran 5500 E. Gemeinsam mit Corinna Diem aus dem SENNEBO­GEN Marketing arbeitet Christine Conrad schon jetzt an den neuen Modellen - wir sind gespannt.

Mit Liebe zum Detail

„Das sind die klei­nen Dinge die unsere Modelle besonders machen.“

Christine Conrad
Geschäftsführerin Conrad Modelle

Interview mit Christine Conrad, Geschäftsführerin bei Conrad Modelle

Als Modellbauer hat das Familienunternehmen Conrad aus dem fränkischen Kalchreuth eine lange Tradition. Seit 1956 entstehen nahe Nürnberg hochwertige Baumaschinenmodelle für Kunden und Sammler aus aller Welt. In dritter Generation führt Christine Conrad das Unternehmen und gibt im Interview Einblicke in die Geschichte und erklärt, was ein Conrad Modell ausmacht.

 

Wie wird man eigentlich Modellhersteller?

Mein Großvater hat das Unternehmen 1956 gegründet und sich damals zunächst auf die Herstellung und Entwicklung von Modelleisenbahnzubehör und Blechspielzeug konzentriert. Aus dem Spielzeugbagger entwickelte sich in den 50er und 60er Jahren recht schnell ein neuer Markt, nämlich der des maßstabsgetreuen Maschinenmodells. Namhafte Hersteller begannen in den Wirtschaftswunderjahren zu Werbezwecken Modelle ihrer Maschinen und Fahrzeuge anfertigen zu lassen. Seit dieser Zeit hat sich die Fa. Conrad auf die Entwicklung und Produktion von Baumaschinen und Fahrzeugmodellen im Maßstab 1:50 spezialisiert und weltweit in diesem Nischenmarkt als deutscher Hersteller etabliert. Ich selbst bin seit 2006 im Unternehmen aktiv und freue mich die erfolgreiche Familientradition weiterführen zu dürfen.

Wann wurde das erste SENNEBOGEN Modell gefertigt und worin unterscheiden sich die grünen Modelle auch heute noch von anderen?

Das erste Modell war im Jahr 1979 der SENNEBOGEN Mobilkran S 1080. Bis heute sind einige hinzugekommen und trotzdem ist jedes neue Modell wieder etwas Besonderes. Bei den SENNEBOGEN Modellen wird immer ein hoher Anspruch an die Qualität der Ausführung gelegt. Wir versuchen stets bei jedem Modell uns auch in der Detailgenauigkeit und Raffinesse weiterzuentwickeln. Das aktuelle Modell des kleinen SENNEBOGEN 355 E Teleskoplader hat übrigens mehr Einzelteile als ein großer Muldenkipper, den wir auch gerade produzieren. Klein heißt also bei weitem nicht einfach. Bei den SENNEBOGEN Modellen gibt es eine weitere Besonderheit. Um absolut farbtreu zu sein, lackieren wir neben den Metallteilen auch die Kunststoffteile.

Wie lange dauert es von der Idee bis zum fertigen Modell und wie viele Arbeitsschritte liegen dazwischen?

Im Schnitt muss man mit rund sechs bis acht Monaten Produktionszeit rechnen. Den Anfang macht die Konstruktion, dort werden die Daten gesichtet und das Handmodell im 3D-Druck erstellt. Dieses wird dann dem Kunden als Erstentwurf vorgelegt. Ist es abgesegnet, werden die Daten für den Werkzeugbau aufbereitet und geprüft, ob die Bauteile formtechnisch abzubilden sind. Das dauert am längsten. Anschließend gießen oder spritzen wir die ersten Teile und lackieren diese. Danach folgt eine weitere Abstimmungsschleife mit dem Auftraggeber. Anschließend kommt das Bedrucken mit Logos und Beschriftungen und am Ende steht die Montage des fertigen Modells und der Versand zum Kunden – damit kommen wir auf sieben Kernschritte.

Warum setzt Conrad auf den Standort Deutschland und wie sieht die Zukunft aus?

Zunächst gibt es da eine klare Verantwortung unseren Mitarbeitern gegenüber. Viele sind seit 30 Jahren und mehr bei uns beschäftigt – das treibt uns an. Ich bin überzeugt, dass es auch in 10 Jahren noch Modelle von Conrad geben wird. In welchen Mengen und Ausführungen, das wird sich zeigen. Schon heute testen und entwickeln wir ständig neue Fertigungsweisen und orientieren uns dabei auch an Technologien, die anderswo schon im Einsatz sind und adaptieren diese auf die Modellbaubranche. Die Herstellung in Deutschland ist natürlich zeitaufwändig und kostenintensiv, aber schon für meinen Vater war, in der Zeit als viele andere Hersteller nach China gingen, klar: Wir sind ein Modellhersteller und nicht nur ein Händler oder eine Vertreiberfirma mit Produktion und Entwicklung irgendwo auf der Welt. Das war damals die richtige Entscheidung und ich halte es heute genauso. Durch den Standort hier in Deutschland haben wir alle relevanten Technologien und Prozessschritte an einem Ort. So können wir schnell reagieren, kurzfristig Reparaturen durchführen und Änderungen einfließen lassen.

Wie viele Modelle produzieren Sie durchschnittlich und was war das bisher spannendste Modell aus Ihrer Sicht?

Für mich ist jedes neue Modell gerade zu diesem Zeitpunkt mein Lieblingsmodell – mein Baby könnte man sagen. Jedes neue Modell hat immer etwas Eigenes und Neues, ist spannend in der Einführung und auch die Konstruktion erfindet sich mit jedem Modell wieder neu. Die Stückzahlen sind sehr unterschiedlich, abhängig von der Größe und Komplexität der Maschinen, aber auch von den jeweiligen Branchen, und wie dort mit Modellen als Werbemittel gearbeitet wird. Lassen Sie mich einen Gabelstapler als Beispiel nennen. In dieser Branche werden traditionell viele Maßstabsmodelle eingesetzt, da produzieren wir durchaus bis zu 2.000 Stück am Tag. Andere Modelle dagegen erreichen oft gar nicht diese Gesamtauflage. Gleichzeitig ist es aber auch immer eine Gradwanderung bei der Frage: Wie viel Technik kann ich einem Modell zumuten? Wir können und wollen nicht alle Raffinessen des Originals im Modell 1:1 abbilden. Für uns gilt die Prämisse: unsere Modelle müssen immer noch bespielbar bleiben. Man muss sich immer wieder die Frage stellen, was möchte ich mit meinem Modell tatsächlich vermitteln und wie begeistere ich Maschinenhersteller und Sammler gleichermaßen.

Wie hat sich der Modellmarkt in den vergangenen Jahrzehnten verändert?

Wir beobachten seit längerem einen Generationswechsel, vom „verschenkten Modell“ hin zum „gekauften Modell“. Während es früher guter Stil war, Modelle als Werbeartikel großflächig einzusetzen, haben die Hersteller sich zum Modellvertrieb mit eigenen Shops entwickelt. Da ist natürlich der Einstieg in die Sammlerwelt schwieriger, wenn man die Modelle selbst kaufen muss. Die Maßstabsmodelle stehen heute mehr auf Schreibtischen als in der Sammlervitrine. Gleichzeitig macht es die aktuelle deutsche Gesetzgebung hinsichtlich Sachzuwendungen, für die Auftraggeber nicht unbedingt einfacher, Modelle auch zukünftig als hochwertige Geschenkartikel einzusetzen.

Muss man als Modellhersteller auch selbst Modellsammler sein, und eine Vitrine im Wohnzimmer stehen haben?

Nein überhaupt nicht. Wir haben keine Modelle zuhause. Bei meinem Vater stehen aber sehr wohl Modelle im Büro daheim. Ich selbst brauche da eher einen gedanklichen Ausgleich und bin auch mal froh, an etwas Anderes denken zu können. Klar spreche ich mit meinem Mann am Frühstückstisch manchmal auch über die Arbeit, aber das ist tatsächlich die Ausnahme. Wir haben tagsüber in der Firma genügend Zeit, um uns über die Modelle auszutauschen, da gibt es Zuhause andere Themen.